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Peter GüntherAm 11.3.2017 verstarb Peter Günther, einer der GründerInnen des fib e.V. und engagierter sozial- und behindertenpolitischer Aktivist, plötzlich und unerwartet. Wir veröffentlichen einen Nachruf:

 *28.9.1950 – 11. 3. 2017

Peter Günther hat viele gesundheitliche Probleme einstecken müssen, die er immer wieder auf bewundernswerte Weise überwunden hat. Ein Schlagfall hatte in im Februar getroffen und er schien wieder auf dem Wege der Besserung zu sein. Doch dann hat eine Lungenentzündung sein Herz überfordert und er starb, für uns alle überraschend und viel zu schnell.

1982 war Peter Günther an der Gründung des fib e.V. maßgeblich beteiligt. Den Weg dorthin hatte u.a. die „Krüppelinitiative Marburg“ mit ihm als Aktivisten gebahnt. Die gesellschaftspolitische Provokation war gewollt, die Anprangerung der Mißstände der Heimversorgung von Menschen mit Behinderung ab 1975 Programm. Den Protesten gegen die Diskriminierung und Barrieren folgten Aktionen wie das „Krüppeltribunal“ im UN-Jahr der Behinderten. Peter war auch dabei, als sich die Bewegung darauf besann, der Aussonderung eigene Initiativen entgegen zu setzen: „raus aus dem Heim“ war der Slogan, der die Szene in die Niederungen der Ebene einer Bürgerrechtsbewegung führte und die Gründung von Selbsthilfeorganisationen und ambulanten Diensten bewirkte.

In Marburg kam es über ein an der heutigen Mosaikschule (Förderschule für Menschen mit geistiger Behinderung) eingerichtetes Freizeitprojekt zum Zusammenschluss mit engagierten Pädagogen, denen die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit geistiger Behinderung ein Anliegen war, darunter seine spätere Lebensgefährtin und Frau Inge Michel. Dies zusammen bildete die Gründungszelle des fib e.V., des Verein zur Förderung der Integration Behinderter (heute: Inklusion von Menschen mit Behinderung), auch im Interesse zur Schaffung innovativer Arbeitsplätze. Diese einzigartige Mischung aus einer Selbsthilfe Körperbehinderter mit der Idee zur Normalisierung der Lebensbedingungen von Menschen mit geistiger Behinderung trägt den fib bis heute.

Peter leitete die Gründungsversammlung und wurde zugleich der 1. Vorsitzende. Diese Funktion bekleidete er bis 1988 über alle Stürme einer Gründergeneration hinweg. Das Wort Zusammenraufen war durchaus wörtlich zu nehmen, bis aus den unter Hochdruck stehenden ideologischen Debatten über den richtigen Weg zur Selbstbestimmung eine handhabbare und entwicklungsfähige Keimzelle des „Ambulanten Dienstes“ entstanden war. Peter blieb der ruhende Pol und Ausgleich dieser Zeit, unvergeßlich, mit scharfem Verstand, voller Diskussionsfreude und unorthodoxen Ideen mit pragmatischem Kern. Er verabschiedete sich so trocken wir er kam: „der Aufbau ist geschafft, das kann ich jetzt gut abgeben“. Und doch blieb er allen Ideen und Menschen im Betrieb stets herzlich verbunden, nicht ohne sich und uns seine kritischen Kommentare „aus dem off“ zu ersparen. Viele von uns haben den Kontakt nie abbrechen lassen. Über den Paritätischen Wohlfahrtsverband, dessen Geschäftsführer er wurde, die Grüne Sozial-AG und schließlich die Freiwilligenagentur gab es immer wieder vielfältige Kontakte und darüber hinaus persönliche Begegnungen und Freundschaften.

Wir vermissen seine offenen Worte, sein Querdenken, seinen Witz, seine Verbundenheit, das gute Essen, den Schwatz auf dem Markt, insgesamt einen Menschen, der sich - außer durch seine Erkrankung - nie hat verbiegen lassen.